„Nicht mit uns!“

Ein Leben fern von Heimat und Familie – Was für uns unvorstellbar ist, ist für diese zwei Menschenrechtlerinnen zur Realität geworden. Beide kämpften unter Einsatz ihres Lebens in ihren Ländern  für Demokratie, Frauenrechte und die Religionsfreiheit. 

Am 14. April 2021 durften wir, die Menschenrechte-AG, im Rahmen der  5. ,,Hamburger Tage des Exils”, unterstützt von verschiedenen Hamburger Stiftungen,  an einem digitalen Podiumsgespräch teilnehmen. Bei diesem sprachen Shammi Haque (27 Jahre) und Shahindha Ismail (41 Jahre), die sich momentan in Hamburg im Exil aufhalten, über ihr Leben, ihre Erfahrungen und ihre Eindrücke.

Beginnen wir mit dem Beispiel der Frauen in Bangladesch:  Die Diskriminierung der Frau beginnt bereits ab ihrer Geburt. Der gesellschaftliche Stellenwert der Mädchen spiegelt sich vor allem in der Bildung wieder. Im Mittelpunkt stehen die Jungen, welche ohnehin schon einen geringen Bildungsstand besitzen. Shammi Haque, eine Aktivistin und Bloggerin aus Bangladesch, musste ihr altes Leben zurücklassen, da sie sich für diese Frauenrechte und gegen islamistische Fundamentalisten einsetzte. 

Sie schrieb und demonstrierte friedlich für einen gesellschaftlichen Wandel der konservativen Strukturen ihres Heimatlandes. Aufgrund dieses Engagements musste sie ins Exil nach Hamburg fliehen. Immer häufiger wurden Blogger bedroht und ermordet, auch Frau Haque erreichten schließlich Morddrohungen, sodass Ihr keine andere Wahl mehr blieb als die Flucht.

Sie erzählte von ihrem ersten Eindruck von Deutschland und dem Kulturschock, den sie erlitten hatte. Die Kultur und die Traditionen in den Ländern unterscheiden sich deutlich, ihrer Meinung zufolge. Auf die Frage, ob sie ihre Familie vermissen würde, antwortete sie, dass sie ihre Mutter und ihre Schwester immer noch sehr vermisse. Sie erwähnte auch, dass sie selten mit ihrer Familie schreibe und nur alle zwei Wochen mit ihnen telefoniere. Mit jedem Telefonat oder jeder Nachricht könne sie ihre Familie in Gefahr bringen. Ein weiterer Grund für den eingeschränkten Kontakt zu ihren Familienangehörigen sei, dass ihr auf diese Weise das Heimweh etwas erspart bleibe. Auch wenn diese ihr gerade nicht zur Seite stehen können, unterstützt ihre Familie sie mit ganzem Herzen.

Shahindha Ismails Heimat sind die Malediven. Die meisten kennen diese Inselgruppe nur als Ferienparadies, doch was sich hinter den Kulissen der Touristenattraktion abspielt, steht im harschen Kontrast zu den weißen Sandstränden und dem türkisblauem Ozean. 

Frau Ismail ist eine maledivische Menschenrechtsaktivistin und war Geschäftsführerin der Nichtregierungsorganisation “Maledivian Democracy Network” (MDN),  die sich für die Rückkehr der Malediven zu demokratischen Grundsätzen und der Achtung von Menschenrechten einsetzte. Ihre Organisation wurde jedoch von der Regierung geschlossen und aufgelöst. Ähnlich wie Shammi Haque sprach sich auch Shahindha Ismail gegen den religiösen Fundamentalismus in ihrem Land aus, wodurch auch sie ins Exil gezwungen wurde. 

Sie erzählte von ihrem Leben und auch über die Demonstrationen in ihrem Heimatland. Auch sie wurde von ihrer Familie getrennt, aber sie pflegt engen Kontakt mit einem ihrer Brüder, der in Kanada wohnt. Besonders schwer fällt ihr die Trennung von ihrer Tochter, die nun in Bosnien lebt.

Auf die Frage, ob die beiden Aktivistinnen ihre Taten wiederholen würden, wenn sich die Möglichkeit ergäbe , die Zeit zurückzudrehen, antworteten beide selbstbewusst und ohne zu zögern: “Ja!”.

Diesen Bericht von Kelly Chen, Alkira Leitz und Leonie Aloé ergänzt Daniela Bogado durch ihre persönlichen Eindrücke:

An erster Stelle fand ich es bemerkenswert, dass diese beiden mutigen jungen Frauen uns so offen von ihren persönlichen Erlebnissen berichteten. Es ist wichtig hierbei zu berücksichtigen, dass die Intention hinter dieser Veranstaltung war, das Thema “Exil” sowohl aus historischer als auch aktueller Perspektive zu betrachten. In den letzten Jahren hat sich der Druck in vielen Staaten erhöht, was die Problematik der Menschenrechtsverletzungen anbetrifft. Umso erstaunlicher und bewundernswerter ist es also, dass es immer noch Menschen gibt, die sich trotz der möglichen Gefahren trauen die Wahrheit offen zu legen und sich trotzdem die Freiheit nehmen für ihre Grundrechte einzustehen. 

Ohne die Erfahrungen und Erlebnisse dieser Menschen ist schließlich keine Veränderung in diesen Ländern möglich. 

Shammi Haque und Shahinda Ismail hatten jeweils ähnliche Erlebnisse in Betracht des Lebens im Exil und der Unterdrückung in ihrem Heimatland. Beide haben provoziert und Fragen gestellt, die nicht gehört werden wollten – letztendlich der Grund warum sie aus ihren Heimatländern fliehen mussten. Beide haben sich bspw. gegen den Extremismus jeglicher Art ausgesprochen und erhielten als Antwort Morddrohungen, gar seitens der Regierung. Auch können die Aktivistinnen durch ihre Taten und ihr Engagement im Kampf für die Freiheit schwer in ihr Heimatland zurück und der Kontakt zu ihren Familienangehörigen ist weitestgehend eingeschränkt. 

Das Exil selbst ist natürlich auch nicht einfach, besonders in Zeiten der Isolation. Trotz der sprachlichen und kulturellen Hürden, trotz der Lebensgefahr, der sie sich ausgesetzt haben, sind sie weiterhin tatkräftig dabei Bewusstsein für die gesellschaftliche Situation in ihren Ländern zu schaffen. Die beiden Frauen machen darauf aufmerksam, dass jeder Mensch respektiert werden muss, egal wo er sich befindet und welche Weltauffassung er hat. Das bedeutet, dass jeder ein Leben in Integrität führen soll, und dass man hinterfragen sollte, warum die Allgemeine Erklärung der Menschenrechte von den Vereinten Nationen auch heute noch vielerorts so oft vergessen wird. 

Zwei Sätze sind mir dabei besonders im Kopf geblieben, zum Einen: “Niemand möchte gern ein Flüchtling sein” und “Understand and be grateful for your privilege, because you have so many possibilities to raise your voice”. 

Abschließend lässt sich sagen, dass es eine sehr interessante Veranstaltung gewesen ist, die mich zum Denken angeregt hat und ich hoffe, dass dieser Denkanstoß bei dem Einen oder der Anderen ebenfalls angekommen ist. 


Die Menschenrechte-AG